Wie gut kennst Du Dein inneres Kind?
Das Konzept des inneren Kindes findet spätestens seit Stefanie Stahls Bestseller „Das Kind in Dir muss Heimat finden“[1] immer mehr Beachtung in der breiten Öffentlichkeit. Nach meinem Verständnis handelt es sich bei dem inneren Kind um einen (oder mehrere) Persönlichkeitsanteile, die meist in sehr jungen Jahren überfordernde Erfahrungen gemacht haben. Um diese schwierigen Situationen meistern zu können, bleibt dem kleinen Kind von damals keine andere Wahl, als das Fühlen zu diesem Zeitpunkt so zu drosseln, dass es mit der Situation irgendwie klarkommen kann. Später trägt das innere Kind im Erwachsenen diese alten Wunden meist solange unbemerkt, bis sie von einem aktuellen Ereignis getriggert werden. Die erwachsene Person[2] erlebt dann zum Beispiel plötzlich Angst, Panik, Hilflosigkeit oder Ohnmacht, die nicht so recht zur Situation passen wollen. Meist ohne zu verstehen, was da gerade eigentlich los ist. Sich dem inneren Kind zuzuwenden ist nicht nur deshalb lohnenswert, um alten Verletzungen aus Kindertagen zu integrieren, sondern auch deshalb, weil das innere Kind auch die Freude am Leben, an Bewegung, Spaß und Spiel trägt, die durch die emotionale Anpassung in der Kindheit ebenfalls herunter reguliert worden seien können. Wer sich also mehr Leichtigkeit und eine Unbeschwertheit im heutigen Leben wünscht, tut gut daran, wieder Kontakt zu seinem inneren Kind aufzunehmen.
Woran erkenne ich mein inneres Kind?
1. Dein innere Kind liebt Langsamkeit:
Stelle Dir ein kleines Kind vor, das versunken im Spielen die Zeit vergisst. In der Welt der Erwachsenen hat das leider wenig Platz und so sind viele Menschen als Kinder „schnell gemacht“ worden, um mit dem Rhythmus der Eltern schritthalten zu können. Doch innere Kinder haben ihren eigenen Rhythmus, wenn wir sie lassen. Finde heraus, ob Du im heutigen Leben wirklich in Deinem Tempo lebst, oder ob Du Dich, nach wie vor, von den Vorgaben Deiner Umwelt antreiben lässt.
2. Dein inneres Kind ist impulsiv:
Es handelt sofort nach seinem Bauchgefühl und hat noch keine Möglichkeiten, seine Wünsche lange aufzuschieben. So fällt ihm Warten und damit das Kontrollieren seiner Impulse unheimlich schwer. Doch gerade das sind Eigenschaften, die in der Welt der Erwachsenen wichtig sind. Es gilt zu lernen, die eigenen Bedürfnisse auch einmal hintenan stellen zu können. Wenn Du also merkst, dass Du ungeduldig oder kribbelig wirst, bist Du vermutlich im Kontakt mit Deinem inneren Kind.
3. In der Welt deines inneren Kindes gibt es Magie:
Dein inneres Kind denkt magisch, alles scheint möglich. In seiner Welt gibt es genauso Feen und Zauberei, wie die Vorstellung, es könne die Vergangenheit ungeschehen machen. Das ist in der therapeutischen Arbeit hilfreich, denn auf dieser Ebene funktionieren Fantasiereisen oder Rituale besonders gut, wenn Du die kindlichen Anteile in Dir erreichen willst.
4. Dein inneres Kind hat Angst:
Wenn Du Dich als Erwachsener orientierungslos fühlst, obwohl Du Dich eigentlich auskennen müsstest, oder Angst hast, obwohl die Situation sicher ist, dann prüfe, ob vielleicht Dein inneres Kind in Not ist. An was erinnert Dich die aktuelle Situation? Welche Gefühle kennst Du von früher? Wann hast Du Dich als Kind so gefühlt, wie jetzt gerade?
5. Dein inneres Kind liebt Spiele:
Wie kleine Kinder, liebt es auch Dein inneres Kind zu spielen. Es ist kreativ und denkt sich die verrücktesten Sachen aus. Das ist eine mega Qualität, die Dir als Erwachsener wieder zur Verfügung stehen kann, wenn Du in Kontakt mit Deinen kindlichen Anteilen bist. Natürlich kann nicht alles davon wirklich umgesetzt werden, denn es geht dem Kind ja ehr um den Spaß an der Sache. Das ist wichtig zu verstehen, genauso wie die Tatsache, dass es versuchen kann, Dich zu manipulieren, um seine Ziele durchzusetzen oder zu gewinnen. Wie ein Kind, das beim Spielen schummelt. Je besser Dein Kontakt zu ihm ist, desto mehr wirst Du merken, was es eigentlich braucht.
6. Dein inneres Kind ist naiv:
Es hat noch keinen erwachsenen Realitäts-Sinn und ist damit (leider) auch anfällig für Manipulation oder Verführung. Seine Welt ist voller Magie und es möchte an das Gute im Menschen glauben. Das sind sehr schöne Eigenschaften, aber sie bergen in der Welt der Erwachsenen leider auch Gefahren. So könntest Du zum Beispiel einen Vertrag unterschreiben, der Dich benachteiligt, oder etwas Überflüssiges kaufen, einfach, weil Dein kindlicher Anteil das Angebotene toll findet und in dem Moment die Führung in Deinem System übernimmt, ohne dass Du es bewusst wahrnimmst. Hier hilft es Inne zu halten und die Realität zu überprüfen: ist das sinnvoll, was ich da gerade machen möchte? Sollte ich vielleicht erst noch einmal darüber nachdenken, statt impulsiv einfach zuzugreifen?
7. Dein inneres Kind hat Sehnsucht:
Innere Kinder tragen häufig eine immense Sehnsucht. Zum Beispiel nach bedingungsloser Liebe, nach Anerkennung oder absolutem Umsorgt- und Gesehenwerden. Aus Sicht des Kindes ist das auch vollkommen okay. Kleine Kinder sind zu 100% von ihren Eltern abhängig. Wenn Du also in eine unerklärliche Sehnsucht kommst, könnte es sein, dass Dein kindlicher Anteil mit dem Mangel aus Kindertagen in Berührung kommt. Mach Dir klar, dass die Vergangenheit vorbei ist und leider nicht mehr ungeschehen gemacht werden kann. Aber was Du tun kannst ist, genau das, was Du so sehnsüchtig vermisst hast, Dir selber zu schenken, und so Dein inneres Kind nachzunähren.
8. Dein inneres Kind ist unselbständig:
Vergiss nicht, dass Dein inneres Kind jung ist. Stell Dir ein 5- oder 6-jähriges Kleinkind vor. Es kann noch keine Verantwortung übernehmen oder Aufgaben diszipliniert ausführen, wie ein Erwachsener das tun würde. Wenn Du also merkst, dass Du etwas immer und immer wieder vor Dir herschiebst, dann frage Dich, wie alt der Anteil ist, der hier gerade die Führung hat, und vor allem, was er braucht. Auch hier gilt: das, was das innere Kind damals gebraucht hätte, kannst Du ihm heute geben, auch wenn Du es selber als Kind nie erfahren hast. Das klingt paradox, ist aber der Ausweg aus diesem Dilemma.
9. Dein inneres Kind liebt es, sich zu identifizieren:
Kinder brauchen Zugehörigkeit. Daher erscheint es auch sinnvoll, dass sich die inneren Kinder gerne mit anderen identifizieren. Mach Dir bewusst, wenn Du dich vielleicht vorschnell mit den Zielen, Wünschen oder Vorstellungen anderer identifizierst. Entspricht das wirklich Deinen eigenen Vorstellungen?
Wenn Dein inneres Kind traumatisiert ist
1. Dein inneres Kind muss Dir erst wieder Vertrauen lernen:
Wenn Dein inneres Kind traumatisiert ist, wird es allen Erwachsenen eher misstrauisch gegenüberstehen. Also auch Dir. Gib ihm Zeit, Dir wieder zu vertrauen. Es wird nur zögerlich auf Dich zugehen, da es erst lernen muss, dass es sich jetzt auf Dich als Erwachsener wirklich verlassen kann. Das Vertrauen Deines inneren Kindes musst Du Dir erst verdienen. Das gelingt am besten, in dem Du Dich gut um Dich selbst kümmerst. Immer wieder, denn Vertrauen wächst langsam.
2. Dein inneres Kind braucht Deinen Schutz:
Auch wenn Du als Kind keinen Schutz oder keine Liebe von Deinen Eltern erfahren hast, wie Du es damals gebraucht hättest, ist es notwendig, dass Du nun diese Rolle für Dich selbst, also Dein eigenes inneres Kind, übernimmst. Das ist vielleicht der schwierigste Part an der inneren Kind Arbeit: zur gleichen Zeit die Gefühle Deines inneren Kindes zu fühlen und für es schützend und liebevoll da zu sein. Das bedeutet einerseits die Differenzierung zwischen Dir (als erwachsener Person) und Deinem inneren Kind und gleichzeitig der Übernahme der Verantwortung für alle Deine Gefühle (sowohl Deiner Gefühle als Erwachsener als auch der Kindlichen).
3. Dein inneres Kind braucht Deine Aufmerksamkeit:
Gerade traumatisierten inneren Kindern fehlt es an echter Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung. Ihre Bedürfnisse wurden nicht in dem Maße wahrgenommen und erfüllt, wie es für eine gesunde Entwicklung notwendig gewesen wäre. Auch hier gilt: übernimm die Rolle der erwachsenen Person und sei für die Bedürfnisse Deines inneren Kindes da. So, wie Du es Dir idealerweise gewünscht hättest.
4. Dein inneres Kind erinnert sich anders als Du:
Erinnerungen eines inneren Kindes können einerseits „Zuckerguss-Erinnerungen“ sein, also die pure heile Welt. Andererseits kann es auch Flash Backs und toxische Erinnerungen tragen. Werde Dir bewusst, wenn ein jüngerer Anteil in Dir in Idealisierungen, Märchen-Phantasien oder Horror-Szenarien abgleitet. Du bist die erwachsene Person, die sich entscheiden kann, auf die angebotenen Erinnerungen einzugehen, oder eben nicht.
5. Dein inneres Kind ist überzeugt:
Sei Dir bewusst, dass Dein inneres Kind all die Glaubenssätze und vielleicht auch katastrophale Vorstellungen vom Leben trägt, die in Deiner Ursprungsfamilie vorherrschend waren. Es ist wirklich schwer, ein inneres Kind davon zu überzeugen, dass sich die Welt mittlerweile geändert hat. Wie schon beschrieben können hier vor allem Rituale oder Fantasiereisen sehr hilfreich sein, denn das Kind lässt sich auf der magischen Ebene gut erreichen.
6. Dein inneres Kind leidet:
Vielleicht trägt Dein inneres Kind Schmerz, Verlust, Trauer oder Verletzung. Das könnte sowohl Dein eigenes, reales Erleben sein, als auch Erfahrungen, die durch transgenerationale Trauma Weitergabe auf Dich übergegangen sind. Darauf kannst Du aufmerksam werden, wenn Du merkst, was Du in Deinem Leben vermeidest, wo Deine Gefühle abgestumpft sind oder wobei Du Taubheit erlebst. Wiederholst Du vielleicht ein Familien-Thema? Hinterfrage auch, ob es Tabus in Deiner Familie gibt. Worüber wird nicht gesprochen? Gibt es Familienmitglieder die mehr oder weniger ausradiert wurden? Oder träumst Du immer wieder ähnliche Motive, die nichts mit Deinem aktuellen Leben zu tun haben?
7. Dein inneres Kind bewertet alles nach einem schwarz – weiß Schema:
Innere Kinder neigen zur Idealisierung und zur Abwertung, ein kleines Kind kann einfach noch nicht differenzieren, wie ein Erwachsener. Werde Dir bewusst, wenn Du Situationen, Menschen oder Aussagen nach Gut und Böse oder richtig und falsch einteilst. Die Welt ist mehr als schwarz und weiß. Vielleicht gab es auch schon in Deiner Ursprungsfamilie ein strenges Bewertungssystem, das Du unreflektiert übernommen hast?
8. Dein inneres Kind hat Hoffnung:
Die Hoffnung des inneren Kindes ist eine Ressource, denn es glaubt immer an den guten Ausgang, wie das Happy End im Märchen. Diese Kraft kann Dir helfen, ungute Situationen zu verlassen oder Dich von einem toxischen Partner zu trennen.
9. Dein inneres Kind ist spirituell:
Innere Kinder glauben an geistige Helfer. Das ist ebenfalls eine Ressource, wenn es um die Veränderung bestehender (toxischer) Situationen geht. Wer an eine höhere Macht glauben kann, dem fällt es erfahrungsgemäß einfacher, mit Schicksalsschlägen umzugehen oder auf einen guten Ausgang zu hoffen.
10. Dein inneres Kind kann sich fixieren:
Sei Dir bewusst, dass Dein inneres Kind manchmal gar keine Veränderung mag. Es hat vielleicht schlechte Erfahrungen damit gemacht. Eine starre Haltung, aber auch Sucht, Fixierung auf Personen, Objekte oder den Körper, können auf das Wirken Deines inneren (verletzten) Kindes hinweisen.
11. Dein inneres Kind passt sich an:
Werden innere Kinder sehr jung verletzt, wählen sie häufig den Weg der Überanpassung, um zu überleben. Sei Dir bewusst, dass Du heute eine Wahl hast, wenn Anforderungen an Dich gestellt werden. Du musst nichts mehr aushalten, oder gute Mine zum bösen Spiel machen. Das war damals.
Dein inneres Kind braucht Deine Führung
Gerade, wenn Dein inneres Kind traumatisiert ist, braucht es Deine Zuwendung und Deine Führung. Wie schon erwähnt klingt das paradox. Es geht darum, Deinem Kind genau das zu geben, was Du selber in Deiner Kindheit vermutlich so sehr vermisst hast: Zuwendung, Aufmerksamkeit, Sicherheit, Liebe, Wärme und Orientierung. Das ist aus meiner Sicht der wichtigste Schritt bei der Arbeit mit dem inneren Kind. Einerseits das verletzte Kind gedanklich in die Arme zu nehmen, es zu trösten und für es da zu sein, wenn dessen Emotionen wieder einmal hochschlagen. Also den Raum für sich selbst zu halten, für die unverdauten Emotionen aus den eigenen kindlichen Anteilen (Containing). Und gleichzeitig die Fähigkeit zu entwickeln, sich als erwachsene Person davon in dem Moment so weit zu distanzieren, um diese überbordenden Emotionen aushalten zu können und sich nährend und liebevoll um das verängstigte innere Kind zu kümmern. Wenn Dich diese Arbeit interessiert, ist es unbedingt ratsam, dass Du Dir einen erfahrenen Begleiter dafür suchst.
[1] https://www.stefaniestahl.de/buecher/das-kind-in-dir-muss-heimat-finden/
[1] Immer m/w/d
Siehe dazu auch folgende Artikel:
- Emotionale Manipulation im Kindesalter
- Transgenerationale Traumaweitergabe
- Kriegsenkel – sekundäre Traumatisierung einer ganzen Generation
- Methoden und Mechanismen in dysfunktionalen Familien
- Identifikation – wer bin ich wirklich?
- Perfektionismus – die weibliche Form des Narzissmus
- What the f… is Scham?
- Dissoziation – ein Zustand inneren Weggetreten Seins
- Das Drama Dreieck: die Dynamik Verfolger – Opfer – Retter
- Komplementär-Narzissten
- Hilfe, ich beziehe alles auf mich!
- Täter-Opfer Umkehr
- Das innere Kind ist ein Konzept, um die frühen Erfahrungen aus der Kindheit zu erfassen, um mit ihnen therapeutisch arbeiten zu können.
- Es beschreibt Deine frühen Erfahrungen, Bedürfnisse und vielleicht auch Verletzungen, die nach wie vor in Dir wirken. So nach dem Motto: die Seele kennt keine Zeit.
- In der Therapie verstehe ich das innere Kind als einen Selbstanteil, der durch überfordernde Erfahrungen in seiner Entwicklung stehengeblieben ist (immer m/w/d). Der aber auch Freude, Lebenslust, Neugier und Leichtigkeit kennt.
- Innere (traumatisierte) Kinder tragen also häufig frühe Erfahrungen von Ohnmacht, Ausgeliefertsein oder Verlustängste. Sie sind aber eben auch Quelle und Ressource, um diese alten Erfahrungen zu überwinden.
- Siehe dazu auch Das gläserne Kind
- Du spürst Gefühle von Ohnmacht, Hilflosigkeit oder Ausgeliefertsein, die nicht wirklich zu Deiner aktuellen Situation passen wollen.
- Das können auch unerklärliche Gefühle von Traurigkeit, Angst oder Wut sein, die Hinweise auf ein verletztes inneres Kind geben.
- Auch wenn Du eine innere Leere spürst, oder Einsamkeit, obwohl Du Dich eigentlich in “guter“ Gesellschaft befindest, solltest Du wach werden, was gerade in Dir los ist.
- Ebenso können Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, Angst vor Konflikten oder ein Unvermögen, in Konfliktsituationen wirklich für Deine Interessen einzustehen, Merkmale sein, dass Du es gerade mit einem jüngeren Anteil in Dir zu tun hast, der die Führung übernommen hat.
- Schadest Du Dir immer wieder selbst? Oder willst in bestimmten Situationen einfach nur noch weg? Ziehst Dich zurück statt für Deine Bedürfnisse offen einzustehen? Oder spürst Du Schuldgefühle, obwohl Du Dir nichts hast zu Schulden kommen lassen? Auch das können Hinweise sein, dass Dein inneres Kind alarmiert ist.
- Werde auch wach, wo Du Dich vielleicht übermäßig anpasst, zu allem Ja sagst, was andere wollen. Oder Dich im Gegenpol befindest und gegen alles rebellierst, was von außen kommt, auch wenn der Vorschlag objektiv betrachtet vielleicht sinnvoll wäre.
- Nimm Kontakt mit Deinem inneren Kind auf. Das kann sowohl in einer Meditation geschehen oder auch im Alltag, wenn Du eine kindliche Energie in Dir wahrnimmst. Denk daran, dass innere Kinder auch Gefühle von Unbeschwertheit, Leichtigkeit und Lebensfreude tragen.
- Entwickle Mitgefühl für Dich selbst, für Deine Geschichte und all das, was Du als Kind, was Dein inneres Kind, erlebt hat.
- Erkenne Deine Situation als Kind dort und damals an. So war das für Dich. Versuche möglichst, Dich aus Schuldzuweisungen herauszuhalten. Sonst verstärkst Du nur Deine Opfer Position von damals.
- Werde wach für alte Glaubenssätze, an die Dein inneres Kind vielleicht noch glaubt. Gelten diese heute wirklich noch für Dich? Was tritt an ihre Stelle? An was möchtest Du heute glauben?
- Versuche auch zu erkennen, wann Dein inneres Kind Angst hat, sich unsicher oder bedroht fühlt. Wie kannst Du die Situation heute so verändern, dass sich Dein inneres Kind sicher fühlt?
- Frage Dich, was Dein Kind damals gebraucht hätte und versuche, Dir das zu geben, was Du so lange vermisst hast. So kann Dein inneres Kind älter werden und „nachreifen“ ( das entspricht einem Nachbeeltern).
- Wer als Kind emotional abhängig gemacht wurde, trägt nach meinem Verständnis auch im Erwachsenenalter ein emotional abhängiges inneres Kind, mit Folgen für das Leben als Erwachsener.
- Da so ein Mensch sehr früh gelernt hat, sich an die Erwartungen und Vorstellungen seiner engen Bezugspersonen anzupassen, um sich dafür deren Liebe und Zuwendung zu sichern, ist es leider nur folgerichtig, dass diese Erfahrungen auch in die späteren Beziehungsgestaltungen hinein ausstrahlen.
- Dieser Mensch wird tendenziell eher weniger gut für seine eigenen Bedürfnisse einstehen können und kann sich so vielleicht in Beziehungen zu einem potenziellen Retter hingezogen fühlen, der sich um ihn (immer m/w/d) kümmern soll. Ohne dabei zu merken, wie die Verantwortung für das eigene Leben dadurch mehr oder weniger stark abgegeben wird.
- Auch eine perfektionistische Anpassung kann aus diesen Grunderfahrungen heraus entstehen. Die Perfektionistin bleibt solange auf die Anerkennung und Bestätigung von anderen angewiesen, bis sie lernt ihr Verhalten zu beobachten und die darunter liegenden Themen zu bearbeiten.
- Ich sehe Fixierungen als eine Art Konzentration, eine Fokussierung, entweder auf eine andere Person, einen Gegenstand, ein bestimmtes Verhalten oder eine Situation, die sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft liegen können.
- Fixierungen können sich über die Art etablieren, wie Du in die Welt blickst. Das, was Deinen Blick auf sich zieht, an dem Du sozusagen mit den Augen „haften“ bleibst, zieht dann auch Deine Aufmerksamkeit und Deine Energie mit in seinen Bann.
- Auch Deine Gedanken können sozusagen „einrasten“, sich immer wieder um dieselbe Sache drehen, vor allem, wenn diese stark emotional aufgeladen ist.
- Auch körperliche Fixierungen sind denkbar, wenn Du zum Beispiel immer wieder ähnliche Bewegungen ausführen musst. Hier ist die Grenze zu Zwangshandlungen fließend.
- Fixierungen können zu einer gewissen Abhängigkeit führen, weil Verknüpfungen hergestellt werden, wo vielleicht gar keine sind. Das könnte auch dazu führen, dass Du eine Situation unrealistisch einschätzt, weil sich Deine Wahrnehmung auf einen Punkt konzentriert, statt für die Situation als Ganzes offen zu sein.
- Denkbar wäre hier zum Beispiel ein permanentes Scannen Deiner Umgebung nach Hinweisen, ob die Welt Dir gegenüber noch freundlich ist, oder ob Gefahr droht. Vor allem dann, wenn dieser Vorgang Deine komplette Aufmerksamkeit auf sich zieht.
- Um sich aus Fixierungen lösen zu können, braucht es das Gefühl, sicher zu sein. Nur wer sich sicher fühlt, kann flexibel und entspannt auf seine Umwelt reagieren.
- Achte also darauf, wann Deine Wahrnehmung sich einengt, es Dir schwerfällt, Deinen Blick wieder zu lösen und weitwerden zu lassen. Dasselbe gilt für Deine Gedanken und Gefühle. Immer, wenn Du das Gefühl hast, in einer Art Tunnel zu sein, ist Dein Empfinden tendenziell eingeengt.
- Fixierungen können auch auf eine Überforderung hinweisen, denn sie halten Dich eher in alten Verhaltensmustern. Hier ist es auch sinnvoll zu prüfen, ob Dein inneres Kind vielleicht gerade in Not ist.
- Das hier sind nur einige Aspekte zu Fixierungen. Wenn Du solche Hinweise bei Dir immer wieder erkennst, ist es vermutlich sinnvoll, therapeutische Hilfe zu suchen.
Bei Angst lerne dich selbst wieder zu zentrieren, deine Energie wieder einzusammeln, die von der Angst zerstreut wurde. Angst lässt Dich kopflos werden. Das zentrieren und einsammeln hilft Dir, Dich zu beruhigen und wieder klarer denken zu können. Darüber hinaus helfen vor allem Atem- und Entspannungstechniken sowie das akzeptieren dieses Gefühls. Je mehr Du versuchst, die Angst zu verdrängen oder zu vermeiden, desto stärker bindest Du Dich an sie.