Wer ich bin - wenn unser Inneres eine Stimme hätte

„Alle bewundern mich, schau nur, wie sie sich nach mir umdrehen“, denkt der Narzisst, ohne zu merken, wie andere wirklich auf ihn reagieren.

„Ich hasse Dich! Verlass mich nicht!“ fleht der Borderline-Typ und hat schon nach kurzer Zeit vergessen, um was es eigentlich ging.

„Ich brauche Dich“, wimmert die Abhängigkeit, ohne ihre eigene Stärke zu kennen.

„Wie kann man nur so aggressiv sein!“ empört sich die Projektion, um nicht mir ihrer eigenen Aggression in Berührung zu kommen.

„Spüre instinktiv, was ich von dir brauche,“ fleht die projektive Identifizierung stumm. „Du siehst es in meinem Blick.“

„Das muss ich auseinanderhalten!“ verzweifelt die Spaltung fast an der Aufgabe, mit dem anderen Teil von sich selbst bloß nicht in Berührung zu kommen.

„Stell mich nicht infrage und schließe dich der hier gängigen Meinung an!“ fordert die Doktrin und zwingt zum Gehorsam.

Unterwirf Dich mir endlich! Schreit die Vehemenz und erhöht den psychischen Druck. Laut oder stumm.

„Ich habe gar keine Angst!“ bekräftigt das Nicht-Gefühl und bringt genau die Angst ins Spiel, die es gar nicht fühlt.

„Wir sind gleich“, stellt der Wunsch nach Verschmelzung fest und blendet die Unterschiede aus.

„Alles wird wieder gut“, hofft der Versöhnungs-Sex.

„Ich vermeide Dich!“ schreit die Angst, ohne zu merken, wie sie sich dadurch genau an das bindet, was sie am meisten fürchtet.

„Nur noch drei Mal kontrollieren!“ fordert der Zwang und muss hilflos zusehen, wie sehr er sich immer mehr einschränkt.

„Die Welt ist nur noch grau und ich kann nichts dagegen tun“ sagt die Depression und legt sich erschöpft hin. Das Atmen ist ihr fast zu viel.

„Lass uns noch ne Runde drehen“, juchzt die toxische Beziehung. „Ich liebe es, mich mit Dir im Kreis zu drehen. Dabei wird unser Tanz immer schneller und heftiger. Ach, wie ist das Leben doch schön!“

„Ich friere“, flüstert die Ohnmacht. „Mir ist ganz flau und ich kann mich nicht bewegen. Halt mich, ich falle, ich falle und es gibt keinen Boden mehr unter meinen Füßen.“

„Alles ist aus“, ist die Verzweiflung überzeugt.

„Dir zeig ich’s“, höhnt die Macht. „Wirst schon sehen, wer hier die Oberhand hat. Du machst was ich will, ob Du willst oder nicht.“

„Seht ihr, ich habe es euch gesagt“, freut sich das Größen-Selbst, wenn seine Prophezeiung eintritt.

„Vertrau mir, ich will Dir doch nur helfen,“ verwirrt die Manipulation, während sie heimlich ihren eigenen Plan verfolgt.

„Schau wie schön alles ist,“ flötet die Verführung. „Mach was ich möchte, es wird Dir gefallen.“

„Gib mir mehr!“ verlangt die Gier immer wieder aufs Neue, ohne zu merken, was sie alles hat.

„Alles wird neblig im Kopf“, stammelt die Verwirrung und muss sich setzen, weil sich alles dreht.

„Wo bin ich?“ fragt die Orientierungslosigkeit. Sie hat sich selbst verloren.

„Ich kann nur noch im Boden versinken“ denkt die Scham. Ihre Kehle ist wie zugeschnürt und sie fühlt sich völlig ausgeliefert.

„Raus hier!“ schreit die angemessene Wut und knallt ihre Türe zu, um ihr Haus zu schützen.

„Aber ich kann doch nichts dafür!“ ruft die Ausrede empört und lernt rein gar nichts aus der Situation.

„Ja klar, ich mach das!“ bekräftigt die passive Aggressivität und vergisst, blockiert, verhindert oder verzögert die Ausführung.

„Das übernehme ich“, meldet sich das übermäßige Verantwortungsgefühl, ohne zu überlegen, ob das in den eigenen Zuständigkeitsbereich fällt.

„Du brauchst gar nichts zu erfüllen“, ist die unausgesprochene Erwartung überzeugt, denn sie kennt sich selbst nicht.

„Ach könnte ich nur zurück und es ändern“, trauert das Bedauern um eine verpasste Entscheidung.

„Aus und vorbei“, beweint die Trauer ihren Verlust.

„Wie konnte mir das nur verloren gehen?“ betrauert der Verlust die entstandene Leere.

„Immer zusammen, niemals allein“ ist der Wunsch hinter der Konfluenz.

„Das Leben ist schön“, äußert die Zuversicht und findet einen Weg.

„Das könnte vielleicht was werden“, kramt die Hoffnung aus ihrem hintersten Winkel hervor.

„Wir werden das hinkriegen“, weiß der Glaube ohne es zu wissen.

„Ich unterstütze Dich auf Deinem Weg“, sagt die Liebe und es ist ihr egal, wohin der führt.

Eine gute väterliche Kraft schützt vor „zu viel“.

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