Die faszinierende Welt der Träume
Im Bann der Träume: Ein Blick in das Unbewusste
Träume sind flüchtige, mysteriöse Phänomene, die uns manchmal mehr über uns selbst verraten können, als wir ahnen. Sie verbinden uns mit unserem Inneren, werfen Fragen auf und schaffen Verbindungen zwischen dem Bewussten und dem Unbewussten in uns. Träume sind mehr als bloße nächtliche Fantasien. Sie sind die Essenz unserer Gedanken, Erfahrungen, Ängste und Emotionen. Sie sind Reflexionen auf unserer inneren Welt, auf die wir nachts einen flüchtigen Blick werfen können.
Was macht Träume so faszinierend?
Träume scheinen sich außerhalb der linearen Zeit und unserer menschlichen Grenzen zu bewegen. In ihnen ist alles möglich. Sie sind wie ein Fenstern in unsere Vergangenheit, zeigen uns die Gegenwart oder werfen ein Licht auf zukünftige Veränderungen. In Träumen können wir fliegen oder wir begegnen etwas, was uns im realen Leben unmöglich erscheint. Wenn wir uns mit unserem Traumerleben beschäftigen, können wir auf vergrabene Emotionen oder unaufgelöste Themen und Konflikte aufmerksam werden, um sie im Hier und Jetzt zu bearbeiten. Oder wir erleben uns mit Fähigkeiten, die wir an uns noch gar nicht kennen. Ändert sich unsere Gegenwart, wird das auch Einfluss auf unsere Träume nehmen, die sich dadurch im Laufe der Zeit verändern. Jeder kennt Angstträume aus der eigenen Kindheit, die irgendwann aufhören. Weshalb? Was hat sich in meinem Leben verändert? Sich diesen Fragen zu stellen, kann sehr wertvoll und erhellend sein.
Auf was achte ich in der Traumarbeit?
Zum einen betrachten ich die unterschiedlichen Traumqualitäten: erscheint alles verschwommen, wie hinter einer Milchglas-Scheibe? Oder laufen Szenen wie in Zeitlupe ab? Wie ist die Atmosphäre im Traum? Eher angsterfüllt oder heiter und hell? Welche Bilder tauchen auf? Haben die Bilder eher Symbolcharakter? Und vor allem: was bedeuten sie für den Träumenden? Es gibt sicherlich Symbole, die tendenziell eher eine allgemeingültige Bedeutung haben. So kann ein Kreuz in unserer westlichen Welt als christliches Symbol gedeutet werden. Doch letztlich geht es aus meiner Sicht ausschließlich um die Bedeutung, die der Träumende persönlich damit verbindet. Wenn jemand nicht christlich sozialisiert ist, wird für diesen Menschen ein Kreuz vielleicht etwas ganz anderes symbolisieren als Tod oder Auferstehung. Der eigene Hintergrund im Sinne von Erziehung und kultureller Einbettung spielt also eine mindestens ebenso wichtige Rolle. Genauso wie die eigene, familiäre Erfahrung, in die das Traumerleben eingebettet ist. So wird ein Mensch, in dessen Familie Flucht, Entwurzelung oder Vertreibung eine Rolle spielen, Szenen des Unterwegsseins womöglich völlig anders interpretieren als ein Mensch, der seit Generationen in derselben Gegend zu Hause ist und mit solchen Szenen vielleicht eher Reisen oder einen Neuanfang assoziiert. Hier wird schnell deutlich, dass allgemeine Deutungen zwar einen Hinweis geben können, aber letztlich nur das eigene Gefühl zur erlebten Szene zählt.
Emotionen oder das Fehlen von Emotionen spielen eine große Rolle
Weitere Aspekte, die neben der eigentlichen Handlung im Traum wichtig sind, sind die Emotionen, die während des Traumes erlebt werden. Wird Angst gespürt? Droht ein Unheil? Oder herrscht eher eine freundliche Stimmung? Auch das völlige Fehlen von Emotionen ist beachtenswert, vor allem, wenn sie eigentlich zur Szenerie passen würden. Wenn also der Träumende beispielsweise eine äußerst brutale Szene erlebt, diese aber heiter und gelassen beschreibt, als würde er[1] auf einer Wiese Blumen pflücken. Was sagt das aus?
Handlungen und Protagonisten werden untersucht
Darüber hinaus finden natürlich auch die Handlungen im Traum Beachtung, genauso wie die handelnden Protagonisten und der Träumende selbst. Wie nimmt er sich im Traum wahr? In der Position eines Beobachters? Oder erlebt er die Szenen, als würde er durch die eigenen Augen blicken, quasi mitten im Geschehen? Das lässt Rückschlüsse zu, wie groß die Distanz des Träumenden zum Traumerleben ist und ob es Identifizierungen mit dem Traum-Geschehen gibt. Wenn es um Handlungen geht, ist es oft auch interessant zu fragen, was nicht passiert. Was fehlt? Was wäre eigentlich zu erwarten?
Wiederholungen können auf unaufgelöste Themen hinweisen
Und immer wieder die Frage nach Wiederholungen. Wir alle kennen Traum-Motive, die immer wieder auftauchen. Das Motiv des Fliegens, Fallens, oder die Prüfung, die geschafft werden muss, sind allgemein bekannte Themen. Das macht deutlich wie wichtig es ist, Träume nicht nur vor dem aktuellen Zeitgeschehen zu betrachten, sondern auch als Sequenz zu sehen, die eine Geschichte erzählen will. Der Prüfungs-Traum in der Examens-Zeit ist eindeutig zum aktuellen Tages-Geschehen zuzuordnen. Aber ein Prüfungs-Traum, der immer und immer wiederkehrt, obwohl in der aktuellen Lebensphase keine Prüfung ansteht, scheint eher auf ein ungelöstes Thema aus der Vergangenheit hinzuweisen. Auch Menschen, die in den Träumen immer und immer wieder auftauchen, sind beachtenswert. Was verbindet der Träumende mit ihnen? Für welche Aspekte stehen sie? Wie können diese Aspekte im eigenen Leben gelebt werden? Interessant sind auch Déjà-vus im Traum. Also exakte Wiederholungen, die genauso bereits in früheren Träumen oder in der Realität passiert sind. Um welches Thema geht es hier genau? Was wird exakt wiederholt? Das kann vor allem dann auf traumatische Inhalte hindeuten, die noch nicht im Bewusstsein angekommen sind, wenn der Träumende so gar keine Idee hat, weshalb sich das Motiv immer und immer wieder in seinen Träumen wiederholt. Als würde das Unbewusste versuchen, sich bemerkbar zu machen. Es wird außerdem klar, wie dünn die Grenzen zwischen Traum-Bewusstsein und Wach-Bewusstsein sind. Manchmal fällt es schwer, das Erlebte eindeutig in den Traum oder in die Wirklichkeit einzuordnen. Habe ich das schon einmal in der Realität erlebt? Oder ist es mir aus früheren Träumen bekannt? Das lässt sich häufig gar nicht so genau einordnen.
Entscheidend ist, was uns wirklich berührt
Wichtig ist auch, welche Träume, oder welche Traum-Bestandteile besonders eindrücklich sind. Ich unterscheide zwischen reinen Verarbeitungsträumen, also Träumen, die das Tagesgeschehen des Vortages irgendwie abzuarbeiten scheinen. Nachdem wir alle jede Nacht träumen, ist das ein normaler Mechanismus der Verarbeitung von dem, was wir tagsüber erleben. Beachtenswert sind vielmehr die Träume, aus denen wir schweißgebadet aufwachen, die wir wieder und wieder träumen oder die uns auf andere Weise den ganzen Tag lang nicht loslassen. Was haben sie wohl für eine Bedeutung? Was genau ist es, was uns so gut im Gedächtnis bleibt, wohingegen normale Verarbeitungsträume meist morgens kaum erinnert werden? Ist es die Handlung, die uns nicht loslässt? Ein bestimmter Gegenstand, der auftaucht? Oder ein Protagonist, der eins ums andere Mal in unseren Träumen eine Rolle spielt? Oder berühren uns die Atmosphäre bzw. die erlebten Emotionen tief in unserem Kern?
Blaue Stunde: Die Membran zwischen Traum und Wirklichkeit
Als blaue Stunde wird im Volksmund die Zeit bezeichnet, in der die Nacht noch spürbar, der Tag aber noch nicht da ist. Jene Zeit dazwischen, in der beide Zustände – Nacht und Tag – gleichzeitig anwesend zu sein scheinen, obwohl sich das per Definition eigentlich ausschließt. Es scheint, dass kurz nach dem Aufwachen die Membran noch durchlässig ist und sich das Traum- und das Wachbewusstsein durchdringen, so dass Inhalte von einer Welt in die andere transportiert werden können. Es ist, als ob die Grenzen verschwimmen und wir in dieser Zeit einen besonders guten Zugang zu unserer Intuition haben. Es lohnt sich also, in dieser Phase innerlich wach zu sein für das Traumgeschehen und sich an die Atmosphäre, Emotionen, Protagonisten, Symbole und Handlungen zu erinnern. Genau in dieser Zeit gelangen auch Erkenntnisse ins langsam erwachende Tagesbewusstsein, die für die Arbeit mit dem Traum wichtig sein können. Wer sich damit beschäftigen möchte, kann seinen Traum direkt nach dem Aufwachen aufsprechen oder aufschreiben. Das transportiert noch viel von der Atmosphäre und der Qualität, die ein Traum hatte. Auch die Wortwahl ist sehr aufschlussreich, wie jemand das Traumerleben für sich beschreibt. Je genauer die Informationen direkt nach dem Aufwachen erhalten bleiben, desto besser kann mit dem Traumerleben gearbeitet werden.
Die Weisheit der Träume
Träume sind ein Geschenk, eine Verbindung zu unserer innersten Essenz, quasi eine Brücke in unser Unbewusstes. So als würden wir aus unserer inneren Welt Botschaften erhalten, die es zu entschlüsseln gilt. Wenn wir uns auf sie einlassen, können wir uns zum einen besser selber verstehen und zum anderen auch eine tiefere Bedeutung von uns in der Welt erfahren. Auf jeden Fall ist es eine spannende Arbeit, die immer wieder neue Aspekte der eigenen Seele hervorbringt.
[1] m/w/d
Siehe hierzu auch folgende Artikel:
- Bestimmte Situationen, Gefühle oder Ereignisse begleiten Dich in Deinen Träumen.
- Déjà-vu -Gefühle im Traum können sich äußern in der Gewissheit: da war ich schon mal, genau das habe ich bereits erlebt.
- Wenn Szenen, Ereignisse oder Emotionen in Träumen immer wieder kehren, ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen, denn traumatisches Material neigt zu Wiederholungen.
- Der erste Schritt ist Dein Wunsch, Dich an Deine Träume zu erinnern.
- Erinnere Dich vor dem Einschlafen daran, dass Du Dich am Morgen an das erinnern möchtest, was Du in der Nacht träumst.
- Schreibe oder Spreche Deine Träume sofort nach dem Aufwachen auf, solange Du Dich noch daran erinnerst und versuche, Alltagsgedanken zu vermeiden.
- Bleibe am Ball. Wenn Du dem Thema länger Deine Aufmerksamkeit schenkst, wirst Du Dich mehr und mehr an Deine Träume erinnern.
- Wiederholungen
- Symbole, Bilder, Menschen, die für Dich bedeutsam erscheinen
- Handlungen und Lücken im Geschehen. Was fehlt? Was wird ausgelassen?
- Was fühlst Du während des Traumes? Welche Gefühle fehlen?
- Was fühlst Du unmittelbar nach dem Aufwachen? Sind die Emotionen (oder auch die Leere) noch spürbar?
- Was sind die ersten Gedanken nach dem Aufwachen? Welche Schlussfolgerungen kommen Dir unmittelbar in den Sinn?
- Für mich besteht ein Traum aus verschiedenen Ebenen. Du kannst Dir das wie eine Photoshop-Datei vorstellen: in einem Layer liegt der Text, im anderen ein Bild, im dritten dann noch der Hintergrund.
- Im Traum können es Handlungen sein, Szenerien, Emotionen, Positionen, Vordergrund, Hintergrund aber auch Musik, Töne, Gerüche, oder Sprache.
- Du wirst es normalerweise als „Gemisch“ erleben, in dem Du alles gleichzeitig wahrnimmst. Es ist aber auch möglich, dass Du zwischen den verschiedenen Ebenen hin und herwechseln und damit das eine oder andere ein- oder ausblenden kannst.
- In der Arbeit mit Träumen spielen die vordergründig dominierenden Elemente ebenso eine Rolle, wie die subtilen Informationen, die hintergründig ablaufen. Je mehr die einzelnen Schichten differenziert werden können, desto mehr kann sich die Bedeutung des Traumes für Dich entfalten.